Felicitas Weck – gute FreundInnen nennen mich „Fee“

Jahrgang 1954, geboren in Hannover – mit einer derweil erwachsenen Tochter und seit dem 4. Mai 2010 glückliche Zwillingsoma. ... und wieder im Mai, diesmal aber im Jahr 2019 ist noch eine Enkelin dazugekommen.

Nach einem Pädagogikstudium mit den Fächern Sport und Chemie habe ich mich mit einem Taxiunternehmen selbstständig gemacht. Dieses geschah aus der Überzeugung, dass ich zur Lehrerin nicht tauge und die Kinder und mich nur unglücklich machen würde.

Das Taxiunternehmen wuchs sich nach und nach zu einem Busunternehmen aus. Ich habe nicht nur im Büro die Fahrten organisiert, sondern auch gern auf „dem Bock“ gesessen. Die archäologischen Studienreisen, die wir nach Frankreich unternommen haben, kommen mir immer mal wieder in den Sinn. Dort bin ich mit netten Fahrgästen durch enge Höhlen gekrochen, um an deren Ende Höhlenmalereien zu bestaunen, die nicht sehr viele Menschen zu Gesicht bekommen.

Mitte 1980 erfolgte mein Einstieg in die Kommunalpolitik. Als Einzelkämpferin für die Grünen im Rat des Sollingstädtchens Hardegsen bekam ich gleich das „volle Programm“: Für alles zuständig, mit wenig Stimmrecht ausgestattet, als grüne Spinnerin tituliert, stellte ich trotzdem fest: Hier bin ich ganz nah dran an den Menschen und könnte was verändern, wenn sie mich nur lassen würden.

1992 habe ich dann der beruflichen Selbstausbeutung „auf der Straße“ den Rücken gekehrt und meinen beruflichen Schwerpunkt auf Organisationsmanagement und kommunalpolitische Beratung gelegt. 9 Jahre lang war ich als Geschäftsführerin des Vereins „Grün-alternative Kommunalpolitik in Nds. e.V. – GAK“ zuständig für die Sorgen und Nöte von mehr als 800 grün-alternativen KommunalpolitkerInnen in Niedersachsen. Neben der Verwaltung des Vereins habe ich kommunalpolitische Bildungsveranstaltungen organisiert, alle 2 Monate einen Newsletter (noch ganz altmodisch in gedruckter Ausgabe) herausgebracht und zu allen kommunalpolitischen Themen beraten und informiert.

In dieser Zeit ließ ich mich nebenberuflich an der Uni Hannover in Zusammenarbeit mit „Brückenschlag Lüneburg e.V.“ als Mediatorin ausbilden und spezialisierte mich auf Gruppenmediationen. Diese Ausbildung hat viel bei mir bewegt. Mir ist neben vielem anderen klar geworden, wie leicht sich Menschen missverstehen können, wie ein regelmäßiger Austausch von Informationen Missverständnissen vorbeugt und nicht zuletzt, dass die Qualität von Dienstleistungen und Produkten wesentlich von guter Kommunikation und der Kooperation von Menschen miteinander getragen wird. Ob Verwaltung oder Produktionsstätte – Menschen, die miteinander arbeiten und sich dabei „verstehen“, die sich bestenfalls mit einem gemeinsamen Ziel identifizieren, arbeiten zufriedener und erfolgreicher.

So ganz lässt sich mein Hang zur Pädagogik doch nicht leugnen. In der Heinrich-Böll-Stiftung war ich an der Entwicklung und Durchführung des Projektes „Politikmanagement“ beteiligt. Im Team haben wir Bildungsbausteine wie Büroorganisation, Zeitmanagement, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kampagnenplanung und vieles andere mehr für ehrenamtlich arbeitende Menschen entwickelt. Und über mich lernte ich, dass ich wahrscheinlich als Lehrerin in der Schule nicht tauge, wohl aber viel Spaß in der Erwachsenenbildung habe.

Ab 1998 ging meine Zeit beim Verein für Grüne und alternative Kommunalpolitik in Niedersachsen langsam dem Ende entgegen. Der Grüne Parteitag hat in Bielefeld dem militärischen Einsatz im Kosovo zugestimmt. Das verträgt sich so gar nicht mit meiner pazifistischen Haltung. Aber da ich bei einem grün-nahestehenden Verein in Lohn und Brot stehe, mache ich weiter, schließlich hat Kommunalpolitik nichts mit Kriegseinsätzen zu tun. Ehrenamtlich engagiere ich mich und versuche mit vielen anderen die Richtung der Grünen wieder umzudrehen. Aber im Jahr 2000 ist es dann doch soweit – wir trennen uns.

Kommunalpolitik wird auch woanders gemacht und so baue ich im Laufe der folgenden Jahre in Hannover die linke kommunalpolitische Szene mit auf, bin Geschäftsführerin der links-alternativen Rats- und Regionsfraktionen in der Region Hannover.

Insgesamt war wohl die Zeit reif für die Entstehung einer neuen Partei. GewerkschafterInnen aus Bayern gründen die Initiative Soziale Gerechtigkeit, WissenschaftlerInnen im Norddeutschen Raum kommen fast zeitgleich auf die Idee und gründen die Wahlalternative, woraus im Januar 2005 die Partei „Arbeit und soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative“ (WASG) wurde. 

Ich gründe den Landesverband Niedersachsen der WASG gemeinsam mit anderen, werde Mitglied des Präsidiums der WASG-Bundesparteitage in Dortmund, Kassel und Ludwigshafen sowie des Länderrates und im Frühjahr 2006 in den geschäftsführenden Bundesvorstand der WASG gewählt. Zwischen Linkspartei und WASG finden relativ schnell Sondierungsgespräche für ein gemeinsames Antreten zur Bundestagswahl 2005 statt.

Am 6. Juni 2006 stelle ich gemeinsam mit Oskar Lafontaine, Gregor Gysi, Katja Kipping, Lothar Bisky und Klaus Ernst den Gründungsaufruf „Für eine neue Linke“ in der Bundespressekonferenz vor. 

In der Folgezeit werden die Verhandlungen zur Gründung der Partei „DIE LINKE“ immer konkreter. Als Mitglied des geschäftsführenden Bundesvorstandes der WASG bin ich zuständig für die Erarbeitung der Satzung der neuen Partei. Auf einer gemeinsamen Sitzung im Dezember 2006 werden von beiden Vorständen die Gründungspapiere beschlossen. Die neue Partei DIE LINKE wird am 16. Juni 2007 gegründet. 

 

Leider konnte ich den Vereinigungsprozess in den letzten Monaten nicht mehr als Mitglied des WASG-Bundesvorstandes begleiten. Ich hatte die Wahl zwischen einer sehr interessanten Stelle in der Bundestagsfraktion DIE LINKE „in Sachen Kommunalpolitik“ oder dem Verbleib im geschäftsführenden Bundesvorstand der WASG. Ich habe mich für die Stelle der Referentin entschieden. Mich reizte die neue berufliche Herausforderung. Mein Parteiamt habe ich niedergelegt, um mich in dem sensiblen Parteibildungsprozess von WASG und Linkspartei zur neuen Partei DIE LINKE nicht dem Vorwurf der unzulässigen Verquickung von Beruf und Amt auszusetzen.

Seit Januar 2007 arbeite ich als Referentin der Bundestagsfraktion DIE LINKE im Aufgabengebiet Kommune. Unter anderem informiere und berate ich die rund 6.000 MandatsträgerInnen der Linken, zu denen auch viele (Ober)Bürgermeister*innen und Landräte gehören.

Nebenberuflich habe ich mich im Bereich Konfliktbearbeitung weitergebildet und meine Mediationskenntnisse um den Bereich "Klärungshilfe" erweitert. Diese Form der Konfliktbearbeitung bevorzuge ich inzwischen, da sie meiner Erfahrung nach  die Konflikte noch deutlicher auf den Punkt bringt und damit dazu beiträgt diese Konflikte dann auch wirklich  bearbeiten zu können.

Im Laufe der jetzt mehr als 15 Jahren hauptamtlichen kommunalpolitischen Arbeit habe ich wohl mit den meisten Themenfeldern der Kommunalpolitik intensive Bekanntschaft gemacht. Gerade weil Kommunalpolitik so vielfältig ist, habe ich daran nie den Spaß verloren.

Im Ehrenamt bin ich seit vielen Jahren im Vorstand des linken kommunalpolitischen Forums Niedersachsen, das es sich zum Ziel gesetzt hat, mit Fachseminaren kommunale Mandatsträger*innen sowie an Kommunalpolitik interessierte Menschen fachlich weiter zu qualifizieren.

Anfang 2009 bin ich von der Rosa-Luxemburg-Stiftung gebeten worden, die Buchreihe „Crashkurs Kommune“ mit dem Band I „Linke Kommunalpolitik“ zu eröffnen, eine Aufgabe, die ich sehr gern übernommen habe. Das Buch ist im VSA-Verlag (ISBN 978-3-89965-340-3) erschienen und im Dezember 09 in die 2. Auflage gegangen. Der „Crashkurs Kommune“ gibt neben einem theoretischen Input praktische Hinweise, wie linke Ansprüche für eine gerechte Gesellschaft in der realen Welt der Kommunalpolitik umgesetzt werden können. Im Jahr 2018 habe ich gemeinsam mit einer Kollegin die 3. vollständig überarbeitete Auflage in Band 12 geschrieben.

2016 ist mir nun der (Wieder-)Einstieg in die ganz praktische Kommunalpolitik gelungen, zwar nur als Einzelmandatierte für DIE LINKE im Rat von Langenhagen, aber ich glaube schon, dass ich etwas frischen Wind in den Ratssaal bringe ;-)