DIE LINKE

Ich bin mal wieder unterwegs. Dieses Mal bin ich mit Conny, Vita und anderen auf Kommunaltour durch Schleswig-Holstein. Und obwohl ich dachte, ich sei durch den Winterwahlkampf in Niedersachsen schon gestählt – weit gefehlt. Temperaturen um den Gefrierpunkt vereint mit Nord-Ost-Wind, den ich als Hannoveranerin doch glatt als Sturm bezeichnen würde, machen uns die Standarbeit schwer, gefühlte minus 20 Grad. Trotzdem haben wir am heutigen Frauentag fleißig Schoki und Frauentagspostkarten unter die Frauen gebracht. Manchmal war es allerdings schwierig, welche zu finden, so richtig rege war der Publikumsverkehr weder in der Innenstadt von Heide noch von Kiel.

Es gibt da nix zu beschönigen, ich bin sehr enttäuscht, dass DIE LINKE nicht mehr im Landtag Niedersachsen vertreten ist. Es gibt vielerlei Analysen warum wieso weshalb. Meiner Meinung nach lag es tatsächlich daran, dass der Wunsch für den Wechsel von schwarz-gelb nach rot-grün letztendlich uns rausgekickt hat. Da hat auch die gute Arbeit, die die Linksfraktion im Landtag geleistet hat, nichts dran ändern können. Jetzt fehlt die Opposition von links, das wird sich sicher noch bemerkbar machen und wer weiß, ob die Einstimmenmehrheit tatsächlich die gesamte Legislaturperiode reicht. Hätte doch was, wenn die nächsten Landtagswahlen nicht im Winter, sondern bei wärmeren Temperaturen stattfinden würden.
Wir haben gekämpft und wir haben verloren, das ist kein Grund, nun die Ohren hängen zu lassen und aufzugeben. Im Mai sind in Schleswig-Holstein Wahlen, im Herbst wird das Europaparlament und der Bundestag neu gewählt, und Landtagswahlen in Hessen und Bayern stehen an. Auf ein Neues!

Heute war der Soup-Express der niederländischen SP in Hannover und da die Bundestagsfraktion rein zufällig auch gerade hier tagte, kamen sie uns besuchen. Schon 1 Stunde vorher kamen immer mehr JournalistInnen, fingen an zu filmen, Suppe, Suppentopf, Tablett mit Suppe, Fee rührt die Suppe….

Das änderte sich blitzschnell, als zunächst Gregor und kurz darauf auch Sahra bei uns ankommen. Schnell waren sie von Kameras und Mikrofonen umringt. Ein Superauftritt, der es bis in die Tagesschau geschafft hat.

Dieses Video: "Wir wählen links!" hat bei meiner kleinen Enkelin (2 1/2 Jahre alt) viel Erstaunen ausgelöst. Zweimal hat sie ihn sich angeschaut und dann gefragt: MICHA????

In Niedersachsen steppt gerade der Wahlkampfbär, der 20. Januar wirft seine Schatten gewaltig voraus. Aus den Niederlanden haben wir Wahlkampfhilfe bekommen und ich plane gerade für den Januar eine Tour mit dem Soup-Express der SP in Niedersachsen.

Die GenossInnen von der SP haben ein supertolles Gefährt entwickelt, mit dem sich wunderbar Wahlkampf machen lässt: http://www.youtube.com/watch?v=nMqvvbDRDkQ Damit keine Verwechslungsgefahr mit einer rosa Partei entsteht, werden wir das Zugfahrzeug noch bekleben und dann geht’s los, mit Tomatensuppe und der Botschaft: „Am 20. Januar DIE LINKE in den Landtag wählen.“

9:00 an einem kühlen Dezembertag. Wir quetschen uns in den Passat und fahren zum Europaplatz. Dort wartet schon ein kleines Grüppchen auf uns. Wir wollen dem sich heute konstituierenden CDU-Parteitag in Hannover einen kleinen Willkommensgruß widmen.

Und die Aktion gelingt auch, ein freies Kamerateam kommt zu uns und spendiert uns ca. 1 Minute im RTL-Magazin um 18:00 Uhr: Das Ergebnis könnt ihr Euch bei RTL anschauen, ich finde es war die kalten Füße wert:

Früh um 9:00 Uhr stehen wir auf dem Marktplatz von Minden – inmitten der historischen Altstadt, die ich gestern nicht mehr besichtigen konnte. Zeitgleich mit uns zieht die SPD ihren Wahlwagen per Hand auf den Marktplatz. Wir stehen ein bisschen rum wie Falschgeld, da wir als Ortsfremde nicht so recht wissen wohin und die Genossen noch dabei sind ihren Wahlkampfmittelkeller zu plündern. Aber wir erwischen einen Platz an der Sonne – was wollen wir mehr. Kurz nach uns fällt ein Rudel Grüne ein, grüßt freundlich und baut sich rechts neben uns auf.

Dann füllt sich nach und nach auch unser Stand mit GenossInnen. Die Heliumflasche leistet wieder gute Dienste, denn unsere roten Ballons fliegen hoch und die konventionell aufgepusteten grünen Ballons fallen runter. Doch irgendwann ist die Flasche leer und wir greifen auf die roten Windmühlen zurück, der kalte Wind bringt sie ordentlich in Schwung. Gegen 11:00 Uhr wird auf einem kleinen Stand der Piraten die Flagge gehisst, aber die Jungs müssen wohl noch üben, nach einer knappen Stunde müssen sie erst mal Pause im nahegelegenen Café machen. Ist ja auch schwierig, die richtigen Antworten auf einfache Fragen zu finden.

Ich muss gegen 13:30 Uhr den Bus leider weiterfahren, doch der Infostand verbleibt einfach bei den Mindener GenossInnen, damit sie nicht schon abbauen müssen. Ich fahre weiter nach Vlotho, dort beschalle ich mit einer Genossin den Ort. Sie hat anfangs viel Herzklopfen, da sie so etwas noch nicht gemacht hat – verhält sich dann aber echt profihaft – herzlichen Glückwunsch dazu von mir. Im Anschluss geht das Mikro an Inge Höger, MdB, weiter, die Herford beschallt. Gegen 19:00 Uhr hören wir vorsichtshalber auf, um uns nicht unbeliebt zu machen – und irgendwann muss ja auch mal Schluss sein.

Ich schwinge mich wieder auf den Bock und mache noch mal schnell rund hundert Kilometer nach Hannover. Dort warten meine Lieben mit dem Essen auf mich – und mein Zimmer ist citynah Cool.

Nachtrag: Leider war das Wahlergebnis mehr als nur unbefriedigend - ich glaube, es ist beim Parteiaufbau noch viel zu tun und dann klappt es auch mit der Wählerin?

Der Infostand heute Morgen in Bad Salzufflen lief deutlich besser als erwartet. Zuerst ließ  uns der Altersschnitt in der Fußgängerzone dieses Heilbades Arges befürchten, schließlich hatten wir noch mal die Heliumflasche ausgepackt. Aber dann kam sie, die ersehnte Kindergartengruppe, über die ich mich schon in BaWü gefreut hatte. 12 zwei- bis dreijährige, von denen jedeR leuchtende Augen bei den roten Luftballons bekam. Die ErzieherInnen hatten auch nichts dagegen und so gab es für jedes Kind einen. Damit ist die ganze Gruppe gaaaanz langsam die kleine Fußgängerzone rauf und runter getippelt und hat uns so noch andere Kinder angelockt, die dann auch einen haben wollten.

Von Minden nach Bad Salzufflen kommen wir in einen Stau und trödeln im Schritttempo so vor uns hin – als hätte ich da beim Beschallen nicht schon genug von. Und da ist doch unsere Navi dann echt frech zu uns: „Möchten Sie in den Zu Fuss- Modus umschalten?“ Die kann von Glück sagen, dass sie keinen Flugschein gemacht hat, sie geht mir sowieso auf den Geist. Vorgestern beispielsweise sind wir ihretwegen einen Umweg von mehr als 10 km gefahren – bei einer Gesamtstrecke von ca. 50 km. Das ist ne ziemlich miese Fehlerquote. Aber nicht zu vergleichen mit der Navifrau, die wir in BaWü hatten, die uns zu nachtschlafender Zeit in den Neckar locken wollten: „„Fahren Sie an Bord – verlassen Sie das Bord – fahren Sie rechts.!“.

Nachmittags stand mal wieder Beschallen auf dem Programm. Ich muss es mal sagen: mir fehlt Bewegung! Den ganzen Nachmittag habe ich mal wieder auf dem Fahrerinnensitz verbracht und bin im ersten Gang durch die Straßen gezuckelt. Zum Merken für den nächsten Wahlkampf in NRW: Die Parteizentrale muss unbedingt UnterstützerInnen nach Espelkamp schicken. Eine ganze Kleinstadt, nach ´45 gebaut, viele viele Mehrfamilienhäuser und alle mit Außenbriefkästen. Ein Paradies zum Infomaterial stecken! Wir haben Espelkamp nur beschallen können, weil uns schon vorher das Material zum Stecken ausgegangen war.
…und dann das Highlight des Tages: Wo ist unser Hotel? Na klar! Haus Nr. 248 – mal wieder am Stadtrand mit dem miefigen – im wahrsten Sinne des Wortes - Charme der 60er Jahre, die Wirtsstube a la „Dori an der Ecke“. Ich weiß echt nicht, warum uns das Amt das antun muss. Es muss doch gar nicht luxuriös sein, aber ein bisschen nett und in der Nähe der Innenstadt, so dass mensch sich das Städtchen auch mal ansehen kann, wenn die Arbeit beendet ist. Minden hat meiner Kenntnis nach eine äußerst charmante Innenstadt – warum darf ich die nicht besuchen? Also liebe Zentrale: das mit der Unterkunft für Eure fleißigen WahlkämpferInnen muss wirklich noch verbessert werden, damit die Euch nicht sauerlaufen. Schließlich machen wir das hier alles freiwillig!

Heute Morgen ist Gütersloh Ziel unserer Tournee. Nicht erst die Bertelsmannstr. bringt uns den Bertelsmannkonzern in Erinnerung. Aber darum geht es ja heute nicht, sondern um Wahlkampf. Wir entern das Linke Büro, bekommen noch einen Kaffee vor Fahrtbeginn und dann geht’s los - beschallen und stecken. Heute Nacht bin ich aufgewacht mit einem Ohrwurm unserer Beschallungs-CD, kein Wunder, wir hören sie einfach zu oft. Teil unseres Jobs ist es heute morgen allerding,s die Veranstaltung des Kreisverbandes am Nachmittag mit Klaus zu bewerben. Die Busmannschaft blödelt rum: DIE LINKE macht Ernst, Klaus kommt!

Was mich besonders freut, ein Genosse hat eine Solid-CD dabei, die wir diesmal als Hintergrund nehmen. Endlich andere Musik! Mittags machen wir eine kurze Pause und stellen den Bus als mobiles Wahlkampfgroßplakat auf dem Veranstaltungsort ab.
Nachmittags geht es nach Lage, dort sind wir am Bahnhof verabredet und wollen eigentlich einen Stand machen, doch hier ist – wie an vielen regionalen Bahnhöfen – tote Hose. Also entscheiden wir uns, nach Örlinghausen zu fahren, dort gibt es einen großen sozialen Brennpunkt, wo drei Kollegen Infomaterial stecken und ich mit einer Genossin umherfahre um die Gegend zu beschallen. … das hat doch richtig gelohnt.

Und heute ist es richtig prima, dass wir im Bunten Haus untergebracht sind, wir haben früh Feierabend und die Köche im Bunten Haus grillen heute Abend – mit feschen schwarzen Koch-Jacken mit roten Knöpfen, „damit die Holzkohleflecken nicht zu sehen sind“. Ich sitze in der Abendsonne und genieße die Waldesruh‘, die nur vom Gezeter der Vögel unterbrochen wird. Im übrigen haben diese Schreihälse schon heute Morgen um 4:00 Uhr angefangen zu lärmen.

Die KollegInnen der Tour I hatten zu bieten: Euskirchen, das schlechteste Hotel, eine Radarfalle. Das können wir auch: Bad Driburg ist unser Euskirchen, das mit der Radarfalle schaffen wir locker am gleichen Tag, ich bin neugierig, wie und ob der Strafzettel zu mir findet ;-) – unsere Bleibe liegt diesmal nicht im Industriegebiet, sondern mitten im Wald…  oder auch positiv ausgedrückt auf der Sonnenseite des Teutoburger Waldes. Und wir haben gleichzeitig viel Gutes zu berichten.

Das Tagungshaus kann nix dafür, das ist wirklich toll und kann für Seminare, Workshops und ähnliche Bildungsveranstaltungen jederzeit jeder und jedem ganz doll ans Herz gelegt werden. Für zwei WahlkämpferInnen hingegen, die bis ca. 22.00 Uhr in der Innenstadt von Bielefeld beschäftigt sind, ist das nicht wirklich der ideale Standort. 
Tja und Bad Driburg, das war wirklich arg:

Wir fahren an den Ortsrand und bauen die LAUTSPRECHERANLAGE auf. Schmeißen die CD rein und alles fängt an zu schrammeln, ohne das wir uns einer Schuld bewusst sind. Das zieht natürlich die ersten bösen Blicke an. …doch damit nicht genug… die Qualität unserer Lautsprecheransagen ließ technisch immer wieder zu wünschen übrig – dieser Ort hat einfach das falsche Karma. Und ich passe wirklich auf wie Luchs, dass ich nicht als Verkehrhindernis rumbummele, fahre gleich sofort und gleich rechts ran, wenn sich von hinten ein Auto nähert. Ich habe auf dieser Bustour auch noch nie einen Huper kassiert. In  Bad Drieburg aber mindestens drei fiese agressive – gefühlt dreißig. Außerdem haben wir einstecken müssen: Eine „ballerballer“ Bewegunge einer jungen Frau vom Balkon, ein „geht doch rüber“, zwei Stinkefinger und jede Menge Kopfschütteln. Ich befürchte, hier waren wir in keiner linken Hochburg. Nach einer guten Stunde haben wir die Faxen dicke und uns wieder vom Acker gemacht. Dass das alles nicht am Landkreis Höxter lag, haben die nächsten Orte Brakel und Höxter (das "bestellte" Beverungen haben wir leider zeitlich nicht geschafft) demonstriert – hier war alles prima: lächelnde Gesichter, Daumen nach oben, hüpfende Kinder und eine swingende Oma machten uns deutlich, hier mögen sie uns wieder.
Und dann kam  Bielefeld – auch wenn es keiner glaubt – Bielefeld gibt es doch. Insbesondere daran zu erkennen, dass der Kreisverband plakatiert hat – ohne Ende und überall!! Diesmal war es unser Job um die Innenstadt zu fahren und die Gregor-Gysi-Veranstaltung am späten Nachmittag zu bewerben. Das haben wir tapfer knapp drei Stunden gemacht, immer im großen Kreis – Fußgängerzone rechts – Straßenbahnhaltestelle, Rathausplatz, Fußgängerzone links, Bahnhof und alles wieder von vorn. Pünktlich um 17:00 Uhr (Beginn der Veranstaltung) fing es an zu regnen. Wir änderten unsere Ansage in: „Gleich hört es auf zu regnen und dann kommt Gregor Gysi!“ Und die Wettergöttin war mit Gregor und dem Kreisverband Bielefeld. Um 18:00 Uhr hörte es wieder auf und Gregor konnte vor rund 600 ZuschauerInnen reden.

Nachdem wir heute morgen noch mal durch Werl zum Beschallen gefahren sind, geht nun die Reise nach Paderborn. Dazu hatten wir die Parteizentrale gebeten, uns anstatt in Bielefeld doch bitte in Paderborn unterzubringen, damit ein wenig Fahrerei wegfällt und dafür ggf. ein bisschen mehr Freizeit drin ist. Hat sie auch gleich gemacht, die Zentrale. Aus Berliner Sicht hat sie uns auch nah am Innenstadtkern untergebracht, gerade mal knapp 3 km davon entfernt. Das ist in Berlin so gar kein Problem, weil die Öffis fast die ganze Nacht fahren.

In Paderborn hingegen sind 3 km schon ganz schön weit weg, nämlich im Industriegebiet nahe dem Stadtrand, bei gefühlt nicht vorhandenem öffentlichem Nahverkehr nach 19:00 Uhr. Betretene Gesichter unsererseits verbunden mit einer Absage an die GenossInnen, die uns eigentlich abends noch zum Arbeitslosenstammtisch einladen wollten. Irgendwann soll nämlich das Auto auch mal ausruhen ;-) – und die Fahrerin nach allabendlichem Abarbeiten der diversen Mails ein Weinchen trinken.

Der dem Feierabend vorausgehende Nachmittag war sonnig und damit ideal für einen Stand in der Innenstadt. Die Paderborner GenossInnen waren hochmotiviert und fröhlich, es gab Merkel-Roulette, rote Luftballons und eine rote Bank. Ich durfte allerdings nicht in der Sonne stehen, sondern mit einem Genossen durch Paderborn jöckeln und beschallen – aber immerhin mit herabgelassenem Fenster und dem linken Arm in der Sonne.