Am 12. September DIE LINKE in den Rat von Langenhagen wählen!

 

 

Der Tag beginnt mit petit dejeuner = Kaffee, Fladenbrot, Butter, Olivenöl (sehr lecker!) und flüssiger Marmelade. Nachdem alles wieder im Bus verstaut ist, die Schuhe vom aufgeweichten Lehmboden soweit gesäubert sind, dass Martin sie im Bus zulässt, geht die Reise weiter. Da wir gestern schon ein Stückchen durch den Ort gefahren sind, wissen wir, dass es wieder viel Schönes zu sehen gibt und gehen ein Stück des Weges zu Fuß. Rechts steigen die Felswände steil auf, teilweise sind die Häuser schon vor langer Zeit in den Fels gebaut worden.  Links geht es abwärts zum Fluss, strahlendes Oasengrün gibt den Kontrast zu den ockerfarbenen Felsen. Auf dem Weg treffen wir eine alte Frau, gebückt durch die Lasten, die sie tagein, tagaus zu schleppen hat. Sie strahlt uns an, singt und tanzt uns vor und albert rum. Entweder hat sie heute extrem gute Laune oder hat schon ordentlich gekifft oder findet sie uns EuropäerInnen so absonderlich? Auch das wird eins der Geheimnisse bleiben, die diese Reise für sich behalten wird.

Weiter geht es Richtung Toudra-Schlucht, die in allen Reiseführern mit Superlativen beschrieben wird. Auf ca. 2.000 m Höhe machen wir halt, weil wir am Straßenrand ein nettes Cafe entdeckt haben. Zwar ist der Wind noch kalt, doch mit Jacke lässt es sich in der Sonne aushalten. Langsam rücken die Berge weiter zusammen. Der Verkehr auf der Straße wird touristischer. Nach etlichen Kilometern lässt uns Martin raus und wir laufen Asphalt. Schluchtenverwöhnt, wie ich von anderen Reisen bin, finde ich das alles wenig spektakulär. Rechts im Berg lärmen einige Touristen, meine Stimmung sinkt gen Null. Trübe latsche ich den Asphalt, ärgere mich über jedes Auto und die Welt an sich ist böse. Nach einiger Zeit sehe ich unseren Bus, er steht auf einem Parkplatz nahe der engsten Stelle der Schlucht, die hier wirklich spektakulär wäre, wären da nicht die diversen Händler mit ihren Ständen und unendlich viele Touris aus aller Herren Länder. Nach einer kurzen engen Stelle, die mit ohrenbetäubendem Lärm eines Generators gefüllt ist, wird es wieder weiter. Hotels reihen sich aneinander und am Fluss, der dort – woher auch immer – auftaucht, kampieren marokkanische Gruppen, machen dort Picknick, trommeln und lassen es sich gut gehen. Meine Stimmung hebt sich wieder und als mich der Bus einlädt, ist alles wieder ok.

Wir fahren weiter und bald wird der Blick frei auf die Sahara. Was aus dem Wetter werden will, ist noch nicht so wirklich ersichtlich. Dunkle Wolken wechseln mit sonnigen Abschnitten. Die Steinwüste, die wir nun durchfahren, wird nur wenige Male durch militärische Anlagen und kleine Orte unterbrochen, die Landesgrenze zu Algerien ist hier nicht weit. Manchmal blitzen rechts der Straße Palmenwipfel auf, Zeichen des uns begleitenden tiefer liegenden Oasenbandes des Oued Zis. Martin biegt irgendwann mal nach rechts unten auf eine bucklige Pflasterstraße ab. Wir haben die Oase Meski mit den blauen Quellen erreicht. Hier gibt es einen Campingplatz mit Pool, der von Fremdenlegionären im 1. Weltkrieg „über“ die Quellen gebaut wurde. Das Wasser ist sehr klar und einige Fischchen leisten den Badenden Gesellschaft.

Wir bauen unser Zelt unter Palmen auf, machen einen kleinen Gang durch die Oase. Bummeln an den kleinen Läden vorbei und werden sofort gecheckt, ob nicht Geld aus uns herauszuholen ist. Wir schachern eine Weile um eine blaue Jellabah für Michael, der junge Mann verlangt allerdings Traumpreise, aber nicht mit uns. Also trollen wir uns wieder. Als wir um die Ecke verschwinden, läuft er uns hinterher und versucht es noch mal, und siehe da, unser Angebot von 50 DH wird mit lautem Klagen angenommen. Wir wandern weiter in die Oase hinein, durch einen Palmenwald an einem kleinen Kanal entlang. Allerdings machen wir bald kehrt, das Licht wird immer düsterer und für Fotos reicht es schon lange nicht mehr. Michael und ich gehen Wäsche waschen, in der Ferne wetterleuchtet es. Martin und Steffi kochen Spagetti mit Thunfischsauce und Avocadocreme mit reichlich Knobi. Gerade als ich meine Klamotten ausspüle, fängt es kräftig an zu regnen. Wir flüchten in den Bus und da das Essen fertig ist, wird erst mal gegessen. Anschließend stellen Michael und ich fest, dass wir unser Zelt in einer (nicht gesehenen oder nicht sichtbaren?) Kuhle aufgebaut haben. Alles steht unter Wasser. Mit dem Klappspaten machen wir uns daran, das Wasser zum Abfließen zu bewegen – ein mühsames Geschäft. Anschließend wollen wir das Zelt umsetzen, doch da kommt Moulut, einer der Händler, der am Rande des Campingplatzes einen kleinen Laden sein eigen nennt. Er bietet uns an bei ihm im Verkaufsraum zu übernachten. Dankbar nehmen wir an und schleppen Isomatte, Schlafsack und nassgewordene Rucksäcke in seinen Trödelladen, dessen Rückwand aus Felsen besteht. Dort kann erworben werden, was Moulut so aufgetrieben hat: Gemälde, Tücher, Teekannen, ein Almgeläut wie es früher bei meinen Eltern hing, Wasserpfeifen, allerlei Musikinstrumente und auch ein Paar alte Skier sind dabei.

Nach und nach kommen auch unsere andern Mitreisenden zu Moulut. Martin bringt seine Gitarre mit, ein Tütchen macht die Runde und wir lassen es uns gut gehen.  Moulut braut Tee und sein Freund Moulut kommt auch. Die beiden Mouluts spielen zusammen in einer Band, die auch schon durch Spanien getourt ist. Molut I greift zur Trommel, Molut II zu einer alten Laute und schon spielen sie auf. Martin staunt nicht schlecht, als er vorher die Laute in der Hand hatte, war sein Eindruck: Die ist hin! Michael und ich sehen uns an, das wäre doch was für das Marsala-Festival in Hannover, wir nehmen uns vor, dort mal für die Moulut`s vorzusprechen. Wir erwerben eine CD, um diese Musik mit nach Hannover zu nehmen. Martin und die Moulut’s wechseln sich mit der Musik ab und so bekommen wir ein Konzert besonderer Art. Insbesondere Molut II ist - selbstverständlich neben Martin ;-) - ein begnadeter Musiker, der Laute und Gitarre beherrscht und in diversen Sprachen Lieder kennt und „landestypisch“ zum Besten gibt. Als er ein bayrisches Lied anstimmt, erkennen wir es allerdings erst nach den ersten zwei bis drei Sätzen, müssen dann aber sehr darüber lachen.

Heute ist es deutlich später als sonst geworden und müde trollen sich die anderen in ihre Zelte. Moulut I zeigt uns noch, wie die Türen verschlossen werden und dann haben wir das Trödelreich für uns. Ich lösche das Licht bis auf eine einzige kleine Funzel, die nun die Schatten an der Wand lebendig werden lässt. Hinter Lampen und Spiegeln lassen sich kleine Dhinns vermuten und ich bin gespannt auf die Träume, die sie bringen werden.