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Früh kräht der „Martin“-Hahn. Heute ist Reisetag. Mit nur 20 Minuten Verspätung starten wir um 8:20 Uhr Richtung Tiz-bin Zabel, einem Pass von 2.400 m Höhe über den mittleren Atlas. Auf dem Weg dorthin wird die Landschaft immer karger und gleichzeitig auch interessanter, unbeschreiblich. Wir drücken uns die Nasen an den Scheiben platt und wechseln regelmäßig auf den Beifahrersitz, damit jedeR mal vorn besser sehen kann. Eigentlich möchte ich alle 3 Minuten rufen: „Halt – Fotopause!“ Aber das geht ja leider nicht, wir wollen ja heute noch  ankommen – wo auch immer? Von früheren Fahrten kennt Martin die Piste und befürchtet Schlimmes.

Er kündigt uns schon an, dass wir immer mal wieder Strecken zu Fuß gehen müssen, damit die Reifen des Wagens nicht so belastet werden. Doch Dank M-Six (König Mohamed der VI) wird diese Erwartungshaltung „enttäuscht“. Die Piste ist neu geschottert. Trotzdem ist vorsichtig fahren angesagt, Steinschlag ist hier üblich. Als wir an kleinen Wasserfällen vorbeikommen, ist die Piste hier schon wieder kaputt. An einem dieser Wasserfälle füllen wir unsere gesamten Wasservorräte auf. Es sei „heiliges Wasser“ erzählt Martin. Nachdem wir den Pass überwunden haben, fahren wir eine Piste, die Martin handschriftlich als asphaltierte Piste in seiner Karte eingetragen hat. Hin und wieder müssen Martin oder Steffi nach dem Weg fragen. Es klappt mit einem Gemisch aus arabisch, französisch, englisch und deutsch. Wir finden die richtige Piste. Sie ist immer gerade so breit asphaltiert, dass es für ein Auto reicht. Kommt uns jemand entgegen, beginnt das Spielchen „Wer ausweicht, hat verloren!“ Aber es klappt immer wieder, ohne dass es zu Blechschaden kommt.

Die Bergformationen, die wir auf dieser Fahrt zu Gesicht bekommen sind besonders bizarr. Wenig bewachsen zeigen sich die geologischen Formationen besonders deutlich. Eng an eng sind die einzelnen Schichten erkennbar, durch mächtige Kräfte aus der Horizontalen in alle möglichen Richtungen verschoben. An einer Stelle biegen sich die Steinschichten in Form eines mächtigen steinernen Tores, der uns an das dunkle Tor von Dunharg aus dem Herrn der Ringe erinnert.

Wir fahren Richtung Outat-Oulad-El-Haj und irgendwann sind wir am Abbruch des mittleren Atlas hin zur Sahara angekommen. Das Gebirge fällt steil ab und geht in eine Steinwüste über. Irgendwo in dieser Einöde machen wir Mittagspause. Es ist der kleine Ort mit dem langen Namen Immoz`es-des-Marmucha. Entlang der Straße gibt es kleine Restaurants und Läden. Die Gruppe trennt sich, da es schneller geht, wenn nur 2 oder 3 Menschen was zu essen wollen. Michael, Karin und ich streichen durchs Dorf. Die Restaurants haben ihr totes Fleisch zur Werbung draußen hängen: tote Hühner, halbe Schafe und Ziegen, an denen noch der Kopf befestigt ist, damit mensch auch sieht, was es zu essen gibt. Mir vergeht der Appetit. In einem kleinen Laden kaufen wir Brot, Joghurt (süß) und harte Eier für’s Mittagessen. Für jedeN 2 Eier, dann kommt kein Hunger mehr auf. Auf dem Rückweg finden wir einen Schuster, der genau die Schuhe macht, die wir in Sefrou kaufen wollten. Wir gehen gemeinsam mit Martin dort hin und Michael ersteht ein paar Sandalen, handgeschustert und genagelt, mit Sohlen aus Autoreifen für 60 DH. Wenn er die erstmal eingelaufen hat, dann langen sie für ein langes langes Schuhleben.

Diverse Kilometer später bremst Martin mitten in der Steinwüste und biegt auf einen Schotterweg ab. Erst jetzt sehen wir in der Ferne einige wenige Häuser. Das ist der Hamam an einer Thermalquelle, an der wir heute zelten wollen – und mit ein wenig Glück auch baden können. Wir Frauen eilen schnell zum Hamam um zu fragen, wie es denn so aussieht mit der Geschlechteraufteilung oder ob wir vielleicht sogar gemeinsam das Piscine nutzen können. Doch weit gefehlt. Die Frauen könnten noch duschen, verstehen wir, ab 19:00 sind die Männer dran – es ist schon nach 18.00 Uhr. Wir beeilen uns also und holen unsere Sachen. In der Zeit wollen die Männer die Zelte aufbauen.

Wir kommen in einen dunklen, nur leicht beleuchteten Raum, unsicher stehen wir in der Gegend rum und erkennen dann: Das ist die Umkleide, es riecht muffig, an den Wänden zieht der Schimmel hoch. Von einer Deutschen, die zurzeit in Rabat lebt, habe ich gelernt: Die Unterhose bleibt an. Also ziehen wir uns soweit aus und erforschen die Umgebung weiter. Es gibt nur eine weitere Tür, diese führt eine Treppe hoch zu 4 Duschen. Schnell stellen wir uns rein und drehen das Wasser auf. „Kreisch!“ das ist ja soooo heiß und kein Kaltwasserhahn zum regulieren. Mit Ach und Krach kriegen wir uns so weit nass, dass das Shampoo drauf kann, schlimmer noch ist das Abspülen. Schnell sind wir fertig, das war kein Genuss. Und sehen uns weiter um und gehen um die Ecke. Dort ist das Piscine – ohne Wasser. Na klar, wenn die Männer um 19:00 Uhr dran sind, muss ja das Wasser gewechselt werden, geht ja wohl nicht, da waren ja vorher Frauen drin…. Also war’s das für uns Mädels. Wir ziehen uns an und sind schnell wieder draußen.

Als wir um die Ecke kommen, sehen wir, dass die Herren der Schöpfung immer noch mit dem ersten Zelt beschäftigt sind. Derweil hat der eh schon kräftige Wind noch mal aufgefrischt, der Himmel wird immer dunkler, es blitzt und wetterleuchtet. Ein Zeltaufbau bei diesem Wind dürfte schwierig werden - und nun? Und wir haben Glück. Im Gebäude etwas abseits des Hamams sind Gasträume, einfachst eingerichtet, mit jeweils 2 Matratzen. Zwei dieser Räume sind noch frei, doch einer der beiden ist so dreckig (uns wird gedeutet, wir könnten ihn ja saubermachen), dass wir dankend verzichten und nur den anderen Raum nehmen. Er ist so groß, dass gerade 6 Isomatten reinpassen und die Tür noch zugeht. Steffi und Martin haben sich eine Zwischendecke in den Bus geschweißt, dort können sie schlafen. Also ist alles ok. Nun gehen die Kerle ins Hamam. Wir bauen unsere Matten auf, und bereiten das Abendessen vor. Es gibt gesammelte Reste: Brot, Wurst, Käse, noch 2 Tomaten, ne ¼ Gurke und Oliven.  

Dann kommt Michael als Erster aus dem Hamam zurück, er ist immer noch ganz entsetzt. Das Wasser im Piscine sei sehr heiß gewesen, das könne ja kein Mensch aushalten. Für ihn ist der Hamam für den Rest der Reise „gestorben“. Kurz danach kommt auch unser jüngstes Reisemitglied und bestätigt: „Das ging gar nicht!“. Martin und Hartmut haben die Hitze im Picine – sie haben rausbekommen, es waren 42° - tapfer minutenweise ertragen, aber mir scheint, ein Genuss war es für sie nicht. Den Rest der Reise grippt Martin mit Halsschmerzen und Schnupfen vor sich hin und vermutet einen Angriff auf seine Abwehrkräfte durch das heiße Wasser. 

Die Nacht in dem kleinen Zimmer ist unruhig, unsere SchnacherInnen outen sich wieder, einer der wilden Hunde schnüffelt an der Tür und früh morgens verirrt sich ein kleiner Junge in der Tür und starrt erstaunt auf die vielen schlafenden EuropäerInnen.