Im Jahr 2018 hat sich der Rat der Stadt Langenhagen mehrheitlich für ein Nachtflugverbot ausgesprochen. Doch dieser Appell an die Flughafeneigner*innen von Land und Landeshauptstadt Hannover ist – wie zu befürchten war - wirkungslos geblieben.

 

Kein Grund, nicht mal wieder einen neuen Versuch zu wagen, zumal es – belegt durch diverse Gutachten – immer mehr Gründe gibt, den Nachtfluglärm zu reduzieren und nicht – wie geplant – immer weiter auszubauen.

 

Für die meisten Menschen ist Fluglärm einfach nur ein unangenehmes Geräusch, das in den Hintergrund tritt, wenn es nur gelegentlich zu hören ist. Doch Wissenschaftler*innen haben herausgefunden, dass dieser Krach weit mehr ist – er ist gesundheitsschädigend.Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden Lärmpegel ab 55 Dezibel als gesundheitsschädlich angesehen, wobei Fluglärm oft locker Werte von über 80 Dezibel erreicht – ein erheblicher Lärmpegel. Auch hier in und um Langenhagen. Ein besonderes Problem bei Fluglärm ist, dass er nicht nur gelegentlich auftaucht, sondern in der Nähe von Flughäfen über Jahre hinweg eine ständige Belastung darstellt.

Der neue Bericht der Europäischen Umweltagentur (EEA) zum Umgebungslärm 2025 liefert alarmierende Zahlen: 66.000 vorzeitige Todesfälle, 50.000 neue Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 22.000 neue Fälle von Typ-2-Diabetes werden mit Verkehrslärm in Verbindung gebracht.Bei Kindern und Jugendlichen war Lärmbelastung laut den aktuellen Daten aus dem Jahr 2021 für über 560.000 Fälle von Leseverständnisstörungen, für 63.000 Fälle von Verhaltensproblemen und für 272.000 Fälle von Übergewicht verantwortlich.Wir versuchen unsere Kinder und Enkel*innen vor asbestverseuchten Schulen, Weichmachern im Plastikspielzeug oder Acrylamid in Pommes zu schützen, doch die Gesundheitsbedrohung durch Fluglärm nehmen wir nicht ernst.

 

Insbesondere Nachtfluglärm ist kein bloßes Ärgernis, sondern ein Risikofaktor für die Gesundheit auf Augenhöhe mit Rauchen, Bluthochdruck und Diabetes.Für die nächtliche Lärmbelastung empfehlen die Leitlinien für Umgebungslärm der WHO Europa (Stand 2025) durch Flugverkehr bedingte Lärmpegel auf weniger als 40 dB zu verringern. Das aktuelle Gutachten des nds. Wirtschaftsministeriums hingegen spricht von einer Lärmschranke von 60 dB, ab der eine Gesundheitsgefährdung bestünde.

 

... dieser geringe Unterschied macht ja nicht so viel aus?

 

Der Dezibelwert gibt an, wie viel lauter oder leiser ein Schall im Vergleich zu einer Referenz ist. Da unser Gehör logarithmisch arbeitet, spiegelt ein Anstieg um 10 dB etwa eine Verdopplung der empfundenen Lautstärke wieder. Zum Beispiel klingt ein Schallereignis mit 50 dB doppelt so laut wie eins mit 40 dB. Eine Erhöhung auf 60 dB ist also eine Vervielfachung des Lärms.

Und von welchen Werten sprechen wir in Langenhagen?

Beispielsweise in den Monaten September und Oktober wurden am Messpunkt 1, Reuterdamm / Grenzheide, mehrmals in der Nachtzeit Starts mit der Lautstärke von 84 dB(A) gemessen. Das lässt erkennen, dass die gemittelten Werte (hier: 51 dB(A) in den 6 verkehrsreichsten Monaten) wenig aussagt über die Lautstärke der einzelnen Ereignisse. Und selbst der gemittelte Wert liegt damit verdoppelt über dem empfohlenen Wert der WHO.

In den kommenden Jahren, ab Frühjahr 26 werden wir hier in Langenhagen (und in Garbsen und Isernhagen) schon mal einen Vorgeschmack bekommen; die nördliche Start- und Landebahn soll modernisiert werden, um „die Zukunftsfähigkeit des Flughafens zu sichern und den Standort langfristig leistungsfähig zu halten“. Darunter müssen die Flugreisenden aber nicht leiden, auf den Flugplan wird es keine Auswirkungen haben. Sicher dagegen ist, dass es Auswirkungen auf die Nachtruhe der Anwohner*innen in der relativen Nähe zur Südbahn haben wird, da die Nachtflüge bisher zu rund 70 % über die Nordbahn abgewickelt wurden.

Ist also nix mehr mit „Gute Nacht, Langenhagen!“. Und da helfen auch nur bedingt Lärmschutzfenster, denn wer gern in frischer Nachtluft schläft, muss sich entscheiden: stickige Luft und Ruhe oder frische Luft und Lärm.

Und die Belastungen durch nächtlichen Fluglärm sollen bis 2030 noch deutlich zulegen, so kann das dem aktuellen Gutachten des Ministeriums entnommen werden, insbesondere die Taktzeiten im Nachtflugverkehr für touristische Flüge sollen gesteigert werden.

In Langenhagen sind offiziell rund 26.000 Menschen betroffen und ich bin ziemlich sicher, dass sich auch darüber hinaus viele Menschen noch von den nächtlichen Fliegern gestört fühlen.

Nachdem ich diesen Antrag eingebracht habe, hat sich auch die rot-grüne Gruppe dem Thema angenommen. Sie haben meine Idee aufgegriffen und modifiziert, aber die Stoßrichtung ist die gleiche. Falls Sie also mehrheitlich meinem Antrag nicht zustimmen mögen (was mir so im Verkehrsausschuss signalisiert wurde), hätten Sie bei rot-grün noch mal die Chance. Nutzen Sie also eine davon, die Nachtruhe der betroffenen Bürger*innen sollte Ihnen das wert sein.