Helgoland und meine Kandidatur zur Bürgermeisterin im Jahr 2010

Liebe Helgoländerinnen und Helgoländer,

bei den Stichwahlen zum Amt der Bürgermeisterin/des Bürgermeisters am 26. September 2010 habe ich 47,8 % der Stimmen erhalten. Das ist ein sensationelles Ergebnis, auch wenn es für das Amt selbst leider nicht gereicht hat. Mein ganz besonderer Dank geht ans Oberland. Dort haben Sie mich mit mehr als 50 % der Stimmen gewählt.

Ich danke Ihnen sehr für das Vertrauen, was Sie mir mit Ihrer Stimme entgegengebracht haben.

Mit vielen Grüßen

Ihre Felicitas Weck

 

Diese Meldung lief gerade über den dpa-Ticker: „Kiel (dpa) - Wegen Giftgas vor Helgoland haben Naturschutzverbände am Mittwoch von der Kieler Landesregierung ein sofortiges Fischereiverbot in der Region gefordert. Im dortigen Munitionsversenkungsgebiet würden Kampfstoffe aus dem Zweiten Weltkrieg unkontrolliert aus Behältern entweichen, heißt es in einer Erklärung der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere (GSM), der Gesellschaft zur Rettung der Delphine (GRD) und dem Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein. Für Fischer bestehe akute Lebensgefahr, wenn die Munition sich in Netzen verfange und gehoben werde.

1949 wurde auf Anweisung der britischen Militärverwaltung südlich von Helgoland mit dem Nervengift Tabun gefüllte Munition versenkt. Das Kieler Innenministerium hatte bereits ein Fischereiverbot empfohlen.“  Die Gemeinde Helgoland wäre gut beraten, wenn sie diese Forderung unterstützen würde.

Gestern Mittag hat mich eine Journalistin der TAZ angerufen und mir mitgeteilt, dass die TAZ-Nord ein Portrait von mir machen will. Und hier ist das Ergebnis: Hochsee-Großstadtpflanze

Und wieder mal sitze ich im Restaurant Cockpit am Flughafen Luneort und warte auf meinen Flieger auf die Insel. Der Landkreistag Schleswig-Holstein tagt ab heute drei Tage in der Nordseehalle zum Thema „Europa und Kommune“, ein spannendes Thema, das ich mir auf keinen Fall entgehen lassen wollte. Viele der Entscheidungen des Rates und des europäischen Parlamentes haben ganz konkreten Einfluss auf die Arbeit in der Kommune.

Nachtrag von meinem letzten Helgolandbesuch: Als wir abends im Knieper vorbeischauten, wurde ich in das Fährbüro auf den Landungsbrücken zur Mauerbesichtigung eingeladen. Dieser Einladung bin ich am folgenden Tag gern nachgekommen und ich muss zugeben, ich war sehr neugierig. Als ich in das Ladenlokal der Fährkasse eintrat, sah ich gleich, was der Anlass der Einladung war. Handelte es sich noch vor kurzer Zeit um einen relativ großzügigen Raum, so trat ich nun in einen kleinen, engen und durch eine unverputzte Leichtbauwand getrennten Raum.

Die Tage auf Helgoland waren diesmal voll gepackt mit Informationen zum Thema Europa und Kommune: Neuausrichtung des EU-Strukturfonds, EU-Strategie 2020 und Europa im Fokus des Bundesverfassungsgerichtes. Dieses waren einige der Vorträge, die ich mir angehört habe. Ausgerechnet an dem Teil, auf den ich sehr gespannt war - Klimaschutz und Nachhaltigkeit -  konnte ich dann aber nicht teilnehmen, weil ein Fotograf auf die Insel kam, der für eine Reportage Fotos von mir machen wollte.

Daraus sind dann nicht nur viele Fotos entstanden, auf die ich sehr gespannt bin, sondern es hat sich auch ein langer ausführlicher Inselrundgang für den Fotografen ergeben, auf dem er viel von mir über die Insel und ihre alte und neue Geschichte erfahren hat.

Jetzt sitze ich in meinem Zimmer unterm Dach am Fenster, habe mich durch meine Mails gearbeitet und gucke nun, während ich dieses hier schreibe, ein bisschen trübsinnig aus dem Fenster in einen durch und durch grauen Himmel, aus dem es seit Stunden regnet. Auch das ist Helgoland.

Ich sitze im Zug von Berlin nach Hannover und habe endlich Gelegenheit, zu meinem letzten Helgolandaufenthalt ein Resümée zu ziehen. Gleich am ersten Abend hatte ich ein sehr interessantes Gespräch mit einer Gruppe von Menschen, die mir die Gelegenheit gaben, mich vorzustellen und meine Überlegungen zur weiteren Entwicklung der Insel darstellen zu können. Klar hatte ich mir im Vorfeld einige Gedanken gemacht, was diese Gruppe interessieren könnte, wo die Gemeinsamkeiten liegen und wo die Unterschiede. Ich war sehr positiv überrascht, dass es der Gemeinsamkeiten viele gab und dass wir uns auch sehr häufig in der Einschätzung einig waren, wo und wie die Probleme der Insel anzupacken seien. Hier sei es so auf den Punkt gebracht: „Nur gemeinsam sind wir stark!“

Gestern wurden auf der Insel Helgoland 6 Stolpersteine verlegt. Sie ehren die Mitglieder der Widerstandsgruppe von 1945, Georg E. Braun, Erich P.J. Friedrichs, Kurt A. Pester, Karl Fnouka und Martin O. Wachtel für ihren Versuch, Helgoland vor der Zerstörung zu retten. Diese wollten den deutschen Festungskommandanten zwingen, die Insel den damaligen Alliierten kampflos zu überlassen. Doch ihr Plan wurde verraten und sie wurden ermordet. Ein weiterer Stein wurde dem Friseur Heirich K. Prüß  gewidmet, der immer offen aussprach, was er dachte und sich oft über das Nazi-Regime lustig machte. 1943 wurde er dafür verhaftet und nach qualvollen Monaten im Gefängnis ermordet. Recherchiert hat diese Schicksale Astrid Friederichs, die sich auf die Suche nach den Familien und Zeitzeugen machte, um die Geschichte dieser Menschen erzählen zu können.

… nur der kleine Flughafen am Rande von Bremerhaven ist noch offen und trotzt der Aschewolke des Vulkans am isländischen Eyjafjalla-Gletscher. Die Flugsicherheit hat den Luftraum über der Nordsee zu den Inseln freigegeben und so konnte ich ganz wie geplant heute Vormittag nach Helgoland fliegen. Strahlendblauer Himmel begrüßt mich, auch wenn der Wind noch reichlich frisch ist. Es ist einfach ein wunderbarer Frühlingstag. Mit den mit mir angekommenen TouristInnen halte ich am Anleger der Dünenfähre noch ein kleines Schwätzchen, inzwischen kann ich ja über die Insel schon recht gut Auskunft geben und meine GesprächspartnerInnen sind erstaunt, was sie so alles auf Helgoland und der Düne unternehmen können.

Heute flatterte mir ein Schreiben von Bürgermeister Botter auf den Schreibtisch. Adressiert an Bundesfinanzminister Schäuble und unter anderem auch zur Kenntnis an die schleswig-holsteinischen Mitglieder des Bundestages, so auch an „unsere“ MdB Conny Möhring. Das Schreiben von Frank Botter, das auf die voraussichtlich geplante Schließung des Zollamtes Helgoland aufmerksam macht und dafür wirbt, die Schließung zu unterlassen, hat bei uns offene Türen eingerannt. Gerade sind wir doch dabei, eine entsprechende Anfrage an die Bundesregierung zu erarbeiten. Und auch ich bin der festen Überzeugung, dass das Zollamt Helgoland erhalten bleiben muss.

… und dann hat der Strom für mein Laptop gestern im Zug nur noch für den Werbeblock für die WATERKANT gereicht, aber nicht mehr zum Einstellen des Artikels. Das will ich nun nachholen.

Ein Kontakt zwischen der WATERKANT und mir kam über die Problematik der Tabun-Granaten vor Helgoland zustande und war anschließend Anlass für die Redaktion, mich zu fragen, ob ich Lust hätte etwas zur Landerweiterung von Helgoland für das Magazin zu schreiben. Da sich zu dieser Zeit - Anfang 2010 -  gerade die PlanerInnen des Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK) in der Endphase befanden, habe ich angeregt, sich nicht nur auf die Landerweiterung zu fokussieren, sondern die Entwicklung Helgolands im Ganzen zu betrachten. Herausgekommen ist der Artikel „Helgoland im Wandel“ erschienen in WATERKANT I - 2010.

Während ich so darüber nachsinne, was heute in den Blog kommt, fällt es mir ein: Vor langer Zeit - so ungefähr Mitte Dezember - habe ich den Newsletter der Gemeinde Helgoland bestellt und bisher ist keiner bei mir angekommen. Nun sind gut vier Monate, weltgeschichtlich wirklich keine Zeit, aber marketingtechnisch schon eine kleine Ewigkeit. Hat die Gemeinde Helgoland oder die Kurverwaltung dieses Werbemittel vergessen, oder gibt es nichts zu berichten? Schade! Ein regelmäßiger Newsletter in ein- oder vielleicht auch zweimonatlichen Abständen bringt die Insel immer wieder in Erinnerung und macht Lust auf einen Besuch - sei es für einen Tag, ein verlängertes Wochenende oder gar auf mehr.