Helgoland und meine Kandidatur zur Bürgermeisterin im Jahr 2010

Liebe Helgoländerinnen und Helgoländer,

bei den Stichwahlen zum Amt der Bürgermeisterin/des Bürgermeisters am 26. September 2010 habe ich 47,8 % der Stimmen erhalten. Das ist ein sensationelles Ergebnis, auch wenn es für das Amt selbst leider nicht gereicht hat. Mein ganz besonderer Dank geht ans Oberland. Dort haben Sie mich mit mehr als 50 % der Stimmen gewählt.

Ich danke Ihnen sehr für das Vertrauen, was Sie mir mit Ihrer Stimme entgegengebracht haben.

Mit vielen Grüßen

Ihre Felicitas Weck

 

Ich bin bei meinen Recherchen zu Helgoland auf die Insel- und Halligenkonferenz gestoßen. Das ist ein Verein, in dem sich die 26 Gemeinden und 2 Städte der Nordfriesischen Inseln und Halligen sowie Helgoland gemeinsam für die Belange ihrer Region und Bevölkerung engagieren. Als ich dort so auf den Seiten stöberte, fand ich das Thema „barrierefreier Tourismus“, den dieser Verein als relevant und förderungswürdig beschreibt. Diese Sicht der Rücksichtnahme auf Menschen mit Behinderungen liegt mir sehr am Herzen.

Eine Arbeitsgruppe des Vereins schlägt vor, dieser Gruppe von Reisenden im Rahmen der touristischen Wertschöpfungsketten ein verstärktes Augenmerk zu widmen. In diesem Zusammenhang habe ich dann auch gelesen, dass das Land Schleswig-Holstein in seiner neuen Touristikausrichtung dem barrierefreien Tourismus nur noch eine untergeordnete Rolle zugesteht. Diese fehlende Ausrichtung findet sich im Übrigen leider auch im Regionalen Entwicklungskonzept für Helgoland wieder. Aber da das Konzept noch nicht fertig ist, habe ich Hoffnung, dass diese Zeilen vielleicht noch gelesen werden und dass auf die Belange von Menschen mit Einschränkungen mehr Rücksicht genommen wird als im derzeitigen Entwurf.

Dort beschränkt sich die Barrierefreiheit auf die einmalige Erwähnung von „rollstuhlgerecht“ und bezieht sich nur auf die älteren BewohnerInnen der Insel. 
Liebe PlanerInnen! Barrierefreiheit ist weit mehr als rollstuhlgerecht! Aber rollstuhlgerecht wäre ja schon mal was, leider ist die Insel auch davon noch weit entfernt - trotz Behindertentoilette und Fahrstuhl. Und wenn Sie – wie die meisten Ihrer KollegInnen auch – schon auf die „Best Ager“ setzen wollen, dann bedenken Sie, diese Gruppe ist in den Jahren, in denen auch körperliche Einschränkungen immer häufiger vorkommen. Barrierefrei, dieser Anspruch fängt bei dem Internetauftritt einer werbenden Gemeinde an und hört noch längst nicht damit auf, dass die Eingangs- und Zimmertüren ein rollstuhlgerechtes Innenmaß haben. Und wenn Sie meinen, dass diese „Marktgruppe“ nicht relevant ist: Der Anteil von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen beläuft sich auf rund 20 % der Gesamtbevölkerung. Ich finde, dass ist eine relevante Größe!
Wenn ich schon mal dabei bin: Auch das Preisschild am Fahrstuhl gehört geändert. Menschen mit Einschränkungen sind keine „Versehrten“ – das ist diskriminierend und trifft auch nicht die Personengruppe, die Sie eigentlich ansprechen wollen: „Menschen mit Einschränkungen“ oder auch „Menschen mit Behinderungen“. Versehrt bedeutet eigentlich “verwundet”. Vor dem 1. Weltkrieg wurden Menschen, die im Krieg ohne eigene Schuld verletzt wurden, als “Versehrte” bezeichnet. Heute wirkt das Wort antiquiert, denn glücklicherweise sind heute nur noch sehr wenige Menschen tatsächlich (Kriegs-)Versehrte.