Helgoland und meine Kandidatur zur Bürgermeisterin im Jahr 2010

Liebe Helgoländerinnen und Helgoländer,

bei den Stichwahlen zum Amt der Bürgermeisterin/des Bürgermeisters am 26. September 2010 habe ich 47,8 % der Stimmen erhalten. Das ist ein sensationelles Ergebnis, auch wenn es für das Amt selbst leider nicht gereicht hat. Mein ganz besonderer Dank geht ans Oberland. Dort haben Sie mich mit mehr als 50 % der Stimmen gewählt.

Ich danke Ihnen sehr für das Vertrauen, was Sie mir mit Ihrer Stimme entgegengebracht haben.

Mit vielen Grüßen

Ihre Felicitas Weck

 

Wenn von Emden über Cuxhaven oder Brunsbüttel bis Hörnum auf Sylt nahezu jede Stadt mit direktem Meereszugang bemüht ist, sich zum zentralen Basis- und Versorgungshafen für die angeblich boomende Offshore-Windkraft- Industrie zu mausern – und dafür auf öffentliche Fördergelder spekuliert –, warum sollte Helgoland sich da zurückhalten? Als einzige deutsche Hochseeinsel mit Meereszugang quasi an allen Seiten steht ihr das doch zu. Oder?
Zu meinem Artikel in der Waterkant geht es hier.  In der neuen Waterkant, die gerade erschienen ist, gibt es noch mehr interessante Artikel.

 

 

 

Die diesen Zeilen folgende Pressemitteilung habe ich heute gefunden. Darin wird die Bundesrepublik Deutschland verurteilt, Kosten für Auffinden und Räumen von Kampfmitteln zu übernehmen. Meines Erachtens ist dieses Urteil für Helgoland mehr als wichtig und ich kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen davon nicht nur Kenntnis bekommen, sondern auch sofort recherchieren, ob es auch für Helgolands Kampfmittelbeseitigung "passt".

 Das BVerwG hat die Bundesrepublik Deutschland verurteilt, dem Land Berlin die Kosten für Maßnahmen zu erstatten, die dem Auffinden und Räumen von Kampfmitteln auf dem Flughafen Berlin-Tegel dienten.

Das Gelände des Flughafens Berlin-Tegel wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs militärisch genutzt und war im Zweiten Weltkrieg Ziel von Luftangriffen. Nach dem Krieg wurden die Kampfmittel nicht vollständig geräumt. Die Flächen des Flughafens Tegel stehen heute teils im Eigentum des Landes, teils im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Bei Bauarbeiten der Berliner Flughafengesellschaft an einem Rollweg des Flughafens im Jahre 2004 wurden in größerem Umfang Kampfmittel gefunden. Auch eine Luftbildauswertung bestätigte den Verdacht einer hohen Kampfmittelbelastung. Daraufhin beauftragte das Land zur weiteren Aufklärung ein Ingenieurbüro mit der umfassenden Beprobung des Flughafengeländes. Dabei wurden erhebliche Mengen an Kampfmitteln unterschiedlicher Gefährlichkeit gefunden und geräumt. Auf dem Flughafen Tempelhof bestätigte sich der Verdacht einer Gefährdung durch Kampfmittel hingegen nicht. Eine Erstattung der Aufwendungen für die Beprobung und Räumung auf beiden Flughäfen lehnte die Beklagte vollständig ab.

Vor dem BVerwG, das in diesem Bund-Länder-Streit erst- und letztinstanzlich zuständig ist, hatte die Klage des Landes auf Erstattung weitestgehend Erfolg. Die Klage hinsichtlich entsprechender Maßnahmen auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof blieb ohne Erfolg.

Nach Auffassung des BVerwG entspricht es einer durch das Grundgesetz für verbindlich erklärten Staatspraxis, dass der Bund die notwendigen Aufwendungen zum Auffinden und Beseitigen reichseigener und auf Bundesflächen auch alliierter Kampfmittel zu erstatten hat, soweit von diesen eine unmittelbare Gefahr ausgeht. Daran ändere sich nichts dadurch, dass für die Gefahrenbeseitigung unter Umständen ein Zustandsstörer in Anspruch genommen werden könne. Eine unmittelbare Gefahr wäre nach dem Ergebnis der Testfelduntersuchungen auf dem Flughafen Tegel gegeben. Die Erstattungspflicht des Bundes entfalle nicht dadurch, dass die Gefahr erst durch Bauarbeiten akut wurde, die der Nutzung eines Flughafens adäquat wären. Auch ihrer Höhe nach wären die Aufwendungen im Wesentlichen angemessen und notwendig. Die Sachgerechtigkeit und Angemessenheit der Untersuchungen sei von der Beklagten nicht durchgreifend in Zweifel gezogen worden. Die Mehrkosten, die dadurch entstanden seien, dass der Flugbetrieb während der Erkundung und Räumung aufrechterhalten wurde, dürfte die Beklagte nicht in Abzug bringen. Es sei nicht zu beanstanden, dass das Land wegen der Dringlichkeit von einer Ausschreibung der Arbeiten abgesehen habe. Da sich eine Gefahr auf dem Flughafen Tempelhof nicht ergeben habe, bestünde insofern kein Kostenerstattungsanspruch.

Quelle: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BVerwG&Datum=31.05.2012&Aktenzeichen=3%20A%201.11

... ich Bürgermeisterin von Helgoland geworden wäre? Diese Frage habe ich mir lange nicht mehr gestellt, aber jetzt wurde sie mir doch mal wieder vom Nordwestradio „aufgedrückt“. Und ich habe darüber nachgedacht. Ich bin relativ sicher, dass auch ich es nicht hätte verhindern könnten, dass sich die Offshore-Industrie statt zu bauen im Atoll-Hotel niederlässt. Aber ich hätte verhindern können, dass sich die Insulaner falsche Hoffnungen machen. Wer glaubt, die Gemeinde Helgoland hätte die Großindustrie „im Griff“ oder auch nur annähernd einen Einfluss darauf, die/der glaubt bestimmt auch noch an Osterhasi und Konsorten. 

Selbstverständlich ist Helgoland ein interessanter Stützpunkt für Windkrafttöchter der Energiemultis. Also hätte sich die Gemeinde Helgoland und der Landkreis Pinneberg vielleicht gar nicht so ins Zeug legen müssen – die wären sowieso gekommen und hätten angefragt. Und vielleicht wäre dann die Gemeinde Helgoland in einer anderen Verhandlungsposition gewesen – und nicht in der einer Bittstellerin??

Dazu ein Nachtrag vom 28.4.2012Der "Focus" schreibt über Helgoland. ...wird hier immer noch Sch.. für Gold verkauft? Zitat von Tourismusdirektor Klaus Furtmeier, der meint, dass es keine negativen Auswirkungen für die Urlaubsbranche gibt. „Die Windräder sind weit weg“, erklärte er. Denkbar sei, die Windparks künftig als Ausflugsziel für die Touristen anzubieten und so eine neue Attraktion zu schaffen. Ich finde, Helgoland hat interessantere Ziele für diejenigen, die mehr als nur einen Tag für die Insel Helgoland übrig haben.

Vor rund 2 Wochen meldete die überregionale Presse, dass aus dem versprochenen Wohnungsneubau für Offshore-Arbeiter unterhalb des Leuchtturms wohl eher wenig wird. Stattdessen hat ein Windkraftunternehmen (e.on-Tochter) das Helgoländer Renomierhotel „Atoll“ komplett für 10 Jahre als Unterkunft für seine Beschäftigten gebucht, weitere Hotels haben ebenfalls bereits etliche Zimmer langfristig an Offshorefirmen vermietet, so dass die Bettenkapazität für die in der Saison regelmäßig ausgebuchte Hochseeinsel ab 2013 drastisch um rd. 17 % reduziert wird. Auf Helgoland herrscht deshalb große Unruhe und das Nordwestradio von Radio Bremen wollte der Sache mit einer 1-stündigen Sendung am 18.4.2012 auf den Grund gehen. Eingeladen waren dazu ins Atoll Bürgermeister Singer, der Atoll-Eigner Arne Weber, ein Vertreter der Windkraftfirma und Detlev Rickmers, bekannter Hotelier auf Helgoland. Und dann kam ich ins Spiel.

Das Nordwestradio fragte mich am späten Samstag (14.4.), ob ich als knapp unterlegene ehemalige Bürgermeisterkandidatin der LINKEn für Helgoland  (September 2010 mit 47,8%) nicht das Anliegen der Insel in der vorgesehenen Radiosendung vertreten wolle. Bürgermeister Singer habe kurzfristig abgesagt und danach Arne Weber und dann auch der Vertreter der Windkraftfirma. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, auch wenn viele HelgoländerInnen dem Miss- bzw. Nichtmanagement der Gemeindeoberen in Sachen Ansiedlung der Offshore –Beschäftigten eine gehörige Mitschuld an der jetzigen verfahrenen Situation geben. Sollte mit der „Kettenabsage“ etwa eine für die Beteiligten möglicherweise peinlich werdende Veranstaltung hinterrücks gekippt werden, wie nicht nur der Redakteur des Nordwestradios mutmaßte? Dieser Plan ging nach hinten los.

Die Redakteure gingen mehrfach in der Sendung auf die „spontanen“ Absagen ein, äußerten ihr absolutes Unverständnis und können wie ich nicht begreifen, warum der Bürgermeister der Insel die großartige Chance vergeben hat, im Radio für unsere unvergleichliche Insel zu werben.

Ohne Bürgermeister Singer, Arne Weber und den Windkraftvertreter wurde es eine sehr interessante, zum Teil kontroverse, aber differenzierte Diskussion über die Zukunft der Insel und die Möglichkeiten einer gegenseitigen Rücksichtnahme von Naturschutz, Nutzung alternativer Energien und Tourismus. Gefragt nach einem zündenden Motto für Helgoland fiel mir spontan ein „Helgoland – Natur pur“, wobei ich dabei ausdrücklich von Detlev Rickmers unterstützt wurde. Der alteingesessene Helgoländer, der frühere Hafenmeister und ehemalige LINKEN Kreistagsabgeordnete Hans Stühmer widerlegte überzeugend die offizielle Erklärung der Windkraftfirma, der ursprünglich geplante Wohnungsbau am Leuchtturm sei an der dortigen Belastung mit Munition gescheitert. Offensichtlich haben hier handfeste finanzielle Gründe eine Rolle gespielt. Bürgermeister und Verwaltung haben nicht eingegriffen oder wollten das vielleicht auch nicht.

Ich habe in der Sendung gerne für Helgoland geworben – viele der anwesenden ZuhörerInnen waren jedenfalls davon angetan.

 

Giftgas-Granaten, „die grün angestrichen waren und einen gelben Ring hatten“, sind kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs in der Flensburger Förde zwischen Glücksburg und dem Kleinen Belt versenkt worden. Diese bislang unbekannte Tatsache hat der Koblenzer Meeresbiologe und Munitionsexperte Dr. Stefan Nehring exklusiv in der heute erscheinenden Ausgabe der Zeitschrift WATERKANT veröffentlicht.

Leider bricht heute schon wieder der letzte Tag auf der Insel an. Das Wetter ist ruhig, manchmal zeigt sich sogar ein bisschen blauer Himmel. Wir schlendern durch die Schrebergärten auf dem Oberland, gucken noch mal von Anna über das Felswatt und sind kurz nach 12.00 Uhr in Heiners Whiskyladen, wir müssen noch eine Flasche Whisky kaufen, für die Michael auf dem Handy eine Bestell-SMS bekommen hat.

Nachmittags noch mal zu Gudrun auf ein Crepe und dann geht es auf’s Schiff. Ich habe mich vorsorglich mit Ingwertabletten eingedeckt, wollen wir hoffen, dass es gut geht.

Wie Neujahr doch häufig kommen wir auch diesmal erst so gegen Mittag zum Frühstücken. Und trotzdem reicht es dann doch noch für die 13:30 Fähre auf die Düne. Heute ist es bei weitem nicht so windig und wir schlendern gemütlich über den Strand, begucken Kegelrobbenbabys und treffen heute dort auch einige Seehunde. Wir müssen immer sehr genau gucken, was es nun ist, die Seehunde sind ja nicht viel größer als die etwas älteren Kegelrobbenbabys, haben aber eine andere Fellzeichnung und einen runderen Kopf.

Bevor wir zum Essen gehen, klopfen wir noch ne Runde Skat, damit wir nicht vergessen, wie es geht. Und dann? Es ist Sonntag abend: Tatortzeit, auch auf Helgoland.

Den ganzen Tag knallt und zischt es. In den engen Gassen donnern die Böller noch mal so gut. Unser Plan für Silvester: Morgens einen Gang zur Anna, anschließend gehe ich noch schnell meine 2 km schwimmen. Später Essen zu Hause, Kartoffelsalat mit Würstchen, anschließend einige Runden Skat – haben wir ewig nicht mehr gespielt und müssen erst mal kräftig nachdenken, wie das ging. Und dann zu Franzi, danach zu Gerda aufs Oberland, Feuerwerk gucken am Falm und anschließend in die Nordseehalle zur Neujahrsdisko.

Gut geplant war es, nur für’s  Feuerwerkgucken am Falm spielt das Wetter nicht mit. Abends zieht Nebel auf. Wir merken es erst gar nicht so richtig und schieben den Dunst auf die Knallerei. Als wir aber die Treppe zum Oberland hinaufsteigen, können auch wir es nicht mehr übersehen. Die Sicht ist weg. Und so stehen wir zwar mit unserem Sektglas am Falm, hören vom gemeindlichen Feuerwehr aber mehr, als wir sehen. Gänsehautfealing gibt es beim Tuten der Schiffssirenen, die das neue Jahr begrüßen.
Die Disko in der Nordseehalle wurde uns von Nobby als Ü30-Party versprochen. Leider heben wir den Altersschnitt doch extrem gewaltig, als wir eintreten. Lauter Techno schallt uns entgegen. Wir sind dann doch mehr im Foyer als in der Halle und auch recht schnell wieder weg. Dann doch lieber noch auf einen Abschlussdrink zu Franzi in den Windjammer.

Bis wir endlich mit Frühstücken fertig sind, sind alle Geschäfte schon zur Mittagsruhe geschlossen. Also ist nichts mit shoppen. Wir nehmen die 13.00 Uhr-Fähre zur Düne und schauen erst mal nach dem Kegelrobbennachwuchs, der derweil schon die 100 weit überschritten hat. Es pustet ordentlich – wir nennen es Sturm - ich bin sicher, die Helgoländer sagen da noch Wind zu.

Durch das Hochwasser wird es hinten an der Aale relativ eng und wir kommen einer Robbendame wohl etwas zu nahe. Sie reagiert mit gereiztem Fauchen und robbt zügig auf uns zu. Das treibt uns berechtigt zur Eile die Düne hoch. Mit den Zähnen des größten europäischen Raubtiers möchten wir nur ungern Bekanntschaft machen.

In Luneort auf dem Flughafen angekommen staunen wir nicht schlecht. So voll war es hier noch nie. Eine kleine Menschenschlange steht vorm Counter an um sich einzuchecken. Wir haben den Flug um 13:30 gebucht, haben also – nach unserer Einschätzung – gerade noch Zeit, eine Kleinigkeit zu essen und dann müsste es eigentlich losgehen – es geht aber nicht. Erst gegen halb vier werden wir für unsern Flug aufgerufen. Wie gut, dass wir ordentlich was zu lesen eingepackt haben.

Wir haben es mal wieder gewollt: Ab auf die Insel! Aber wie es bei uns so ist, es will dann nicht so wie wir das möchten. Schon weit im Vorfeld haben wir geplant, anstatt Silvester-Doko, diesmal Silvester auf Helgoland. Anti-K-Pillen gekauft und tapfer die Schiffspassage gebucht. Doch dann kommt die Meldung von einem Kollegen von Michael: Ein Sturmtief naht, Orkanböen werden angesagt.

Ich habe das Telefon gerade aufgelegt, da ruft Gerda an: Die Atlantis (oder war’s die Funny Girl?) fährt morgen nicht, voraussichtlich auch Freitag nicht, aber das ist noch nicht sicher.
Also rufe ich bei der OLT an und buche für uns einen Flug. Eigentlich wollten wir uns das doch diesmal verkneifen, weil die Flüge u.a. durch die Luftverkehrsabgabe so teuer geworden sind. Aber was soll‘s…