Mit Entsetzen verfolge ich die Ereignisse in Japan. Unvorstellbar, was diesem Land widerfährt. Ich nehme jede Gelegenheit wahr, mich weiter zu informieren, hoffe auf gute Nachrichten, doch sie sind wahrlich rar. Unvorstellbar aber auch, wie unsere Bundesregierung auf diese Katastrophe reagiert: mit viel Wahlkampfgetöse wird die Verlängerung der Laufzeiten der deutschen AKWs auf Eis gelegt, werden Abschaltungen versprochen. Bedurfte es wirklich dieses Unglücks, um klarzumachen, dass das atomare „Restrisiko“ nicht beherrschbar ist? Warum haben die Erfahrungen des Super-GAUs von Tschernobyl nicht gereicht?

Szenen aus der Zeit des Tschernobyl-Unfalls werden in mir wach. Meine Tochter war damals gerade mal 3 Jahre alt, Angst machte uns neben vielem anderen auch die fehlenden Informationen über die Auswirkungen bei uns. Das versprochene Geburtstagspicknick im Garten mit den Kindern aus dem Kinderladen wurde auf den Fußboden im Esszimmer verlegt. Wir haben Boden- und Grasproben zum Messen des radioaktiven Gehaltes ins Labor geschickt, festgestellt, dass wir Glück im Unglück hatten. Unser Garten war nicht betroffen, wohl aber die Wiesen von Pferd und Schaf. Noch lange hat der Schreck von Tschernobyl nachgewirkt, hat mich letztlich weiter politisiert und so auch meinen Lebensweg beeinflusst.