DIE LINKE

Heute ist es wirklich sehr früh losgegangen. Um 4:15 klingelt mein Handy – aufstehen ist angesagt. Ich rappele mich schlaftrunken hoch, besser gleich aufstehen und nicht drüber nachdenken hilft erfahrungsgemäß. Wir sind mit einigen Genossen aus dem Kreis Warendorf zur Verteilung zum Schichtwechsel bei dem Sanitärhersteller Kaldewei verabredet. Eine knappe halbe Stunde ist Flugblätter verteilen „Löhne rauf!“ angesagt. Ein spannendes Thema, insbesondere deshalb, weil heute gegen Mittag von der IG Metall ein Warnstreik bezüglich der Tariferhöhungen angesagt ist. Allerdings nicht in diesem Betrieb, da er über Tarif bezahlt. Trotzdem sind die Reaktionen auf uns ok und auch die mitgebrachten Feuerzeuge werden gern mitgenommen.

Im Anschluss daran verbringen wir noch zwei Stunden auf dem Bahnhof von Ahlen, dieses mit eher geringer offensichtlicher Resonanz. Unser Bus als rollendes Großplakat steht allerdings supergünstig mitten auf dem Bahnhofsvorplatz vor einer Ampel und macht darauf aufmerksam, dass wir auch früh morgens schon aktiv sind. Auch wenn wir deutlich weniger Material in 2 Stunden loswerden als in der halben Stunde vor dem Werkstor, ich bin’s zufrieden, als ich höre, dass sich eine SchülerInnengruppe angeregt darüber unterhält, wen sie denn wählen würden, wenn sie dürften.
Danach geht’s wieder zurück, heiß duschen gegen kalte Hände und Füße, Mails bearbeiten, frühstücken, wieder Mails bearbeiten und dann weiter Richtung Soest. 
Wir treffen uns in Soest mit einem Genossen in seinem mit seinem Lebensgefährten gerade vor wenigen Monaten erworbenen Häuschen, fahren dann gemeinsam in die Innenstadt. Heute Nachmittag steht mal wieder „Beschallen“ auf dem Programm. Ich finde es extrem spannend, wie unterschiedlich – und jedes Mal wirklich toll und professionell – unsere mitfahrenden Gäste die Slogans interpretieren. Unsere heutigen Gastgeber haben sich sehr genau überlegt, wo es hingehen soll – und sie hatten recht! Überall schauen uns fröhlich zugeneigte Gesichter entgegen, nur der eine Taxifahrer findet uns wohl doof. In einem Viertel sind ungewohnt viele Kinder auf den Straßen zum Spielen. Sie finden uns ungemein spannend, laufen mit, tanzen zur Musik und haben viel Spaß.
Ausnahmsweise haben wir heute schon gegen 17:30 Uhr „Feierabend“, da unser Kandidat Winfried zu einer Ratsveranstaltung muss. Ich genieße den freien Abend und bummele durch die gut erhaltene Altstadt von Soest.

Überschattet wird der heutige Tag von dem einfach nur schlechten Wahlergebnis für DIE LINKE in Schleswig-Holstein. Da gibt’s nix zu deuteln, das ist voll danebengegangen. Mich erreichte die Trendmeldung aus dem Radio mitten im Wahlkampf in NRW – und hat mir doch für mindestens ne ¼  Stunde die Motivation für noch mehr Engagement verhagelt. Andererseits haben wir in Thüringen von sieben Stichwahlen zu Bürgermeister- und Landratswahlen sieben gewonnen und das ist doch nun mehr, als ich mir als linke Kommunala zu erhoffen wagte. Danach ging es dann wieder, und eigentlich ist der Tag doch super gelaufen.

Morgens in Burgsteinfurt auf dem Kunstgewerbemarkt der Gemeinschaft der Gewerbetreibenden. Dort hatten wir zwar keinen Stand, haben aber auf dem Parkplatz nebenan ein gutes Bund mit Luftballons zusammengestellt, nachdem uns ein Genosse aus dem Kreisverband endlich die Heliumflasche mit einer großen Wasserrohrzange und viel Kraft aufgemacht hat. Außerdem wurden jede Menge Tüten mit Wahlkampfmaterial und Gummibärchen gepackt und los ging’s. Und wie immer waren die roten Luftballons ein wunderbarer Türöffner zu den Herzen der Kinder und ihrer Eltern. Am Nachmittag sind wir durch Warendorf und Umgebung getourt. „Stecken und Beschallen“ stand auf dem Plan. Mein Begleiter Rainer, der hiesige Kandidat – erprobter Hauptschullehrer und ehemaliger Chorleiter der Westfälischen Nachtigallen – erwies sich als routinierter Ansager unserer Wahlkampfslogans.

Wahlkampf in NRW: Es ist wirklich richtig kalt geworden. Gestern habe ich noch in Thüringen gemütlich in der Sonne gesessen. Heute früh zaubert mir der Blick aus dem Fenster eine Gänsehaut. Grau, nass, kalt! Bahh… Vielleicht trödeln wir deshalb ein wenig beim Frühstücken im Hotel, machen uns ein wenig später auf den Weg, um dann tatsächlich im Trockenen (aber immer noch im Kalten) den Stand in der Fußgängerzone von Bocholt aufzubauen. Wir kämpfen mit der Gasflasche, die das Helium für die Ballons einfach nicht hergeben will, der abzuschraubende Deckel widersetzt sich uns nachhaltig. Also werden die Ballons „konventionell“ aufgepustet  und mit Stäbchen an die Kinder gebracht. Geht auch, macht aber – ganz ehrlich gesprochen – nicht so viel her. Ganz abgesehen davon, dass mir die Jugendlichen fehlen, die immer einen Helion-Ballon ohne Knoten haben möchten…

Die Mittagspause findet an einer angesagten Currywurstbude statt. Dort wird die Schärfte der Currywurst in Stufen von 1 – 9 mit Nr. 10 als „Hölle“ angeschrieben. Ich versuche mich in Stufe 8 – „Richtige Kerls“ und vergleiche dieses mit „Vindaloo“ in indischen Restaurants. Also gerade noch ok für mich, aber mehr muss nun wirklich nicht sein. Ich ernte damit die Anerkennung des Imbisswirtes, der mich für den nächsten Curry-Wurst-Wettbewerb einlädt.


Nachmittags geht es Richtung Rheine. Auf dem Programm steht "Beschallung“. Wir basteln die Lautsprecher auf das Busdach, schmeißen die CD mit Musik und Gregor ein, schließen das Mikro an und los geht es im beschleunigten Schneckentempo. 20 bis 30 km/h in bebauten Gebieten, mit Stopps zur Ansage von Slogans und flotten 50 km/h. wenn’s mal etwas schneller gehen soll. Mehr traue ich mich nicht. Die Schlagzeile „Linker Lautsprecher zerschlägt rechte Windschutzscheibe“ möchte ich uns ersparen. Zum Abend hin geht es nach Emsdetten, dort steigt Kathrin Vogler ein. Bis kurz nach 20:00 Uhr beschallen wir Emsdetten, dort ist Kirmes und daher sowieso viel Lärm angesagt. Insbesondere am Bahnhof finden wir interessierte ZuhörerInnen, die fröhlich nach unserer Musik tanzen. 
Der Weg von Emsdetten nach Rinkerode – unserem derzeitigen Standort – zieht sich dann doch noch mal ziemlich. Gegen 21:30 schlagen wir dort auf und hin.

Die vierjährige Diskussion über eine neue Frauenstruktur mündete am 25. Februar 2012 in die Gründung des Bundesrates LINKE Frauen. Im Vorfeld dieser Diskussion wurde ich angefragt, ob ich mir vorstellen könnte, einen Teil der Moderation zu übernehmen – ich konnte. Leider hat mir dann ein böser Schnupfenvirus den Spaß ziemlich verdorben. Schon früh am Morgen lief meine Nase wie nix Gutes und während des Vormittags habe ich doch glatt 3 Päckchen Taschentücher verbraucht. Das hat aber – der Göttin sei Dank – am guten Ergebnis der Tagung nichts verdorben.

Insgesamt waren rund 50 von den 180 Unterzeichnerinnen des Aufrufes zur Veränderung der Frauenstrukturen nach Hannover gekommen. Da der Antrag auf eine Satzungsverankerung des Bundesrates auf dem Erfurter Parteitag zwar die Mehrheit bekam, jedoch an der Zwei-Drittel-Hürde scheiterte, hatten sich die Frauen zunächst auf eigene Kosten oder mittels der Unterstützung ihrer Landesverbände zusammengefunden.

 In den einleitenden Länderberichten in Hannover spiegelte sich ein vielfältiges Bild der aktuell bestehenden Frauenstrukturen – selbstorganisierte Frauengruppen waren ebenso vertreten wie die AG LISA auf Landes- und Bundesebene oder frauenpolitische Sprecherinnen bzw. Mitglieder von Landesvorständen und Landtagsfraktionen. In allen Beiträgen drückte sich die Hoffnung aus, mit dem zentralen Bundesrat eine notwendige Stützung der politischen Arbeit von Frauen in der LINKEN zu erfahren.

Heute gelesen: Unter der Überschrift „Die Partei ist alles –aber was bin ich?“ finde ich eine Beschreibung meiner Partei, die mich laut auflachen lässt, leider!
DIE ZEIT schreibt: „Andere Parteien machen Geschichte, DIE LINKE macht Geschichtspolitik: Kommunismus, Stalinismus, Mauerbau – man verhält sich wie die Piraten im Asterix-Comic, die sich angesichts der herannahenden Gallier immer schon selbst zerlegen. Ausgerechnet in einer Finanzkrise, in der sich sogar Konservative fragen, ob Marx nicht doch recht hatte, ist DIE LINKE zur Bedeutungslosigkeit verkümmert.“

Schade, ich hatte sehr gehofft, dass wir den Einzug in den Landtag von Ba-Wü (und natürlich auch in RLP) schaffen. Zumindest die Stimmung bei der Standarbeit und auf der gut besuchten Abschlussveranstaltung in Mannheim ließ darauf hoffen.

Andererseits ist es leider so, dass uns die Medien schon ziemlich unter die 5 % Marke geschrieben hatten und so manche Wählerin, mancher Wähler sich wohl dachte: Wenn ich Mappus weg haben will, dann muss ich SPD oder Grüne wählen – und zumindest das Wahlziel „Mappus weg“ haben wir ja auch erreicht, wenn auch nicht „mit links“. Auch über das Kommunalwahlergebnis in Hessen hält sich mein Jubel in Grenzen. Da kann ich allerdings die Trauermiene der einen oder anderen nicht teilen. Ich glaube schlicht, die Erwartungshaltung auf die Anzahl der Sitze war einfach zu hoch gesteckt gewesen. Kommunalpolitik ist es das ganz langsame Bohren von ganz dicken Brettern – das braucht einfach seine Zeit.

Das Wetter meint es wirklich gut mit uns. Und weil das Wetter gut ist, haben die Menschen auch gute Laune. Das haben wir heute in Heilbronn wieder erlebt. Unser Infostand – von 9:30  bis 16:30 Uhr war ein voller Erfolg. Vormittags war die Kandidatin Elke Ehinger dabei, deren Überzeugungskraft so mancheN überzeugt oder doch zumindest nachdenklich gestimmt hat, dass es gut sei, das Kreuz bei der LINKEN zu machen.

Heute war beschallen – beschallen –beschallen angesagt. Wir mäandern mit dem Bus im flotten 15 km/h Tempo von 9:30 Uhr bis 18:00 Uhr durch die Ortschaften des Rhein-Neckar-Kreises. Die Lautsprecher auf dem Dach verleihen dem Bus ein Micky-Maus-Outfit, das der einen oder dem anderen ein Lächeln auf’s Gesicht zaubert. Abends wieder im Hotel angekommen, dröhnen mir immer noch der Bass der Musik sowie Gregors und Olis Stimmen im Ohr, obwohl wir ihnen doch schon in Leimen den Saft abgedreht haben.

Heute sind wir mit dem Direktkandidaten Christoph Rehm unterwegs. Nachdem wir unsere  Beschallungsanlage wieder richtig geregelt haben – die Lautsprecher konnten nicht so laut, wie wir das gern gehabt hätten – machen wir uns zuerst auf den Weg nach Neckar-Gmünd. Eigentlich wollten wir dort vor einem Einkaufszentrum Flyer verteilen, aber hier sind nur wenige Menschen unterwegs. Also schnallen wir die Lautsprecher auf’s Dach und bummeln mit dem Bus durch die Straßen und erhalten wie auch gestern schon durchweg positive Reaktionen. Ab 14:00 Uhr bauen wir dann in Sinsheim in der Fußgängerzone den Stand neben dem Bus auf, binden die Helium-Flasche am Brückengeländer fest und dann sind wir nur noch „im Akkord“ damit beschäftigt, Luftballons aufzublasen, zuzuknoten und mit Faden zu versehen und an Kinder und Jugendliche weiterzureichen. … und so mancher der Jungs kommt mit Micky-Maus-Stimme wieder und will noch einen Unschuldig. Ein Blick in die Fußgängerzone hinein zeigt Sinsheim in Rot.

Unsere Route führt uns heute nach Heidelberg. Da wir erst später im Linken Büro verabredet sind, entern wir unser Hotel. Es ist schön gelegen, hoch oben über Heidelberg, auch nicht viel teurer als das andere Hotel, aber deutlich besser ausgestattet. Anschließend haben wir noch ein bisschen Zeit, die wir in der warmen Frühlingssonne vor einem Cafe verbringen. Aber dann geht’s wieder an die Arbeit: Der Stand vorm Heidelberger Bahnhof mit Direktkandidat Bernd und Ersatzkandidat Markus läuft gut. Es ist Sonntag, die Menschen sind nicht ganz so hektisch und nehmen unser Info-Material gern.

Vormittags sind wir mit dem Direktkandidaten Matthias Hördt und unserem Bus in der Fußgängerzone von Weinheim. Es regnet ein bisschen und die Hände sind doch klamm im kalten Wind. Diese Gegend soll eine der Wärmsten von Deutschland sein? Aber dann klart es zum Mittag auf, die Sonne scheint uns warm ins Gesicht und schon macht alles viel mehr Spaß.